Mythos 8

Markieren ist ein natürliches Verhalten des Hundes. Für das Revierverhalten gilt, zumindest bei großen Arten, generell: Revierpatroullieren, Markieren und Verteidigen ist Sache aller und nicht das Vorrecht des Ranghohen. Anders ist es, wenn der Hund dann nicht mehr abrufbar ist und die Verteidigung des Grundstückes sozusagen in die eigene Hand nimmt, so dass „der Briefträger um sein Leben rennen muss“. Das Gleiche gilt für den Spaziergang. Mit dem Markierverhalten zeigt der Hund lediglich eine Identifizierung mit der eigenen Gemeinschaft und kein Machtverhalten. („Verhaltensbiologie für Hundetrainer“ Seite 264 und 265, Udo Gansloßer)

Besteht ein statusbedingtes Problem, welches hier in dem Mythos angesprochen wird (kurz gesagt: Der Hund zweifelt daran, dass der Mensch in der Position ist, ihn einzuschränken oder Regeln aufstellen zu dürfen), liegt die Ursache woanders. Zur Behebung des Problems muss man an vielen Stellen arbeiten, aber sicherlich nicht, indem man das Markieren verbietet. Durch letzteres gewinnt man nicht die Anerkennung und den Respekt, den man durch eine souveräne Führung erhält.

Gehen wir nun zum zweiten Punkt, den Übersprungshandlungen. Dr. Dorit Urd Feddersen-Petersen beschreibt diese in ihrem Buch „Ausdrucksverhalten beim Hund“ auf Seite 471 folgendermaßen: „Übersprungsbewegungen: eine „unerwartete“ Bewegung, die außerhalb der Verhaltensfolge auftritt, für die sie ursprünglich entwickelt wurde. Sie erscheint in Konfliktsituationen und ist in der Regel erfolglos, da sie nicht den biologischen Zweck erfüllt, an den sie eigentlich angepasst ist …“.

Zu Übersprungshandlungen zählen: in die Leine beißen, vokalisieren, Spielaufforderung zeigen, stehen bleiben, gähnen, sich schütteln, kratzen, schlecken (im Intimbereich). Diese werden in Konflikt- und somit stressigen Situationen gezeigt, sie deuten auf einen „Spannungswechsel“, bzw. eine Anspannung im Hund hin. Habt ihr z.B. bei einem Training schon mal beobachtet, dass euer Hund sich kratzt, in die Leine beißt oder gähnt? Oder er sich nach/bei Hundebegegnungen oder einem „Spiel“ schüttelt?

Beim Training könnt ihr daran erkennen, dass euer Hund momentan überfordert ist. Geht also im Training einen Schritt zurück oder gönnt ihm eine Pause.

Bei Hundebegegnungen bedeutet es, dass es eine stressige und anstrengende Situation für euren Vierbeiner war oder ein Konflikt aufgetreten ist. Deshalb sollte man nicht gleich jeden Stress vermeiden, man sollte aber ein Auge darauf haben und es deuten können, um den Hund gegebenenfalls aus der Situation heraus zu nehmen. Unser Hund verrät uns alles, wir müssen nur lernen, genau hinzusehen. 🙂

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